Alltagsbegleitung: Ausbildung und Begleitung

Etwa alle zwei Jahre bereiten wir engagierte Freiwillige auf die ehrenamtliche Tätigkeit als Alltagsbegleiter vor. Voraussetzung für die Teilnahme an der Qualifizierung sind Lernbereitschaft, Kontakt- und Beziehungsfähigkeit so wie ein gewisses Maß an Lebens- und eigener Krisenerfahrung.

Nach einer Informationsveranstaltung, einer schriftlichen Bewerbung und einem persönlichen Einzelgespräch beginnt die Ausbildung mit einem selbsterfahrungsorientierten Intensivwochenende. Daran schließen sich acht Einheiten á drei Zeitstunden in 14-tägigem Abstand an. Inhaltlich geht es a. a. um psychosoziale Krisen, suizidale Krisen, Depressionen, Trauer nach Suizid. Methodisch gibt es Impulsreferate, Rollenspiele, Phantasiereisen, Diskussionen. Grundsätzlich findet das Lernen über die eigene Person, also selbsterfahrungsorientiert, statt.

Im Anschluss an die Ausbildungsphase kommt die Gruppe weiterhin in 14-tägigem Abstand zur sogenannten Fallbesprechung bzw. Supervision unter der Leitung einer hauptamtlichen AKL-Mitarbeiterin zusammen. Zweimal jährlich gibt es Fortbildungsveranstaltungen. Wir erwarten die Teilnahme an mindestens einer internen Fortbildung pro Jahr.

Daneben feiern wir im Sommer ein Grillfest mit unseren Ehrenamtlichen und in der Adventszeit gibt es das traditionelle und sehr beliebte Adventsessen.


Interview mit einem Alltagsbegleiter

Lothar, was hat Dich dazu bewegt ehrenamtlich tätig zu werden?

Also, der eigentliche Hauptantrieb liegt in meiner Lebensgeschichte. Ich bin Alkoholiker, seit 10 Jahren "trocken", aber trotzdem definiere ich mich selbst als lebenslangen Alkoholiker. Insofern bin ich ständig bemüht, an mir zu arbeiten und versuche mich konstant, mit mir auseinanderzusetzen, um ablaufende Mechanismen besser zu begreifen. Meine Vorstellung war zunächst, mich in einem Ehrenamt mit alkoholabhängigen Menschen zu beschäftigen. Zum einen, weil ich es für sinnvoll halte, in diese Tätigkeit eigene Erfahrungen einbringen zu können, zum anderen, weil ich hoffte, über diese Tätigkeit Konfrontation mit mir selbst zu finden.

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Bericht einer Alltagsbegleiterin

"Ja gut, ich mach's. Tschüß, bis dann."
Ich lege den Telefonhörer auf und bleibe erst einmal in einem Gefühlswirrwarr aus Spannung, Freude und Befürchtungen sitzen. Am Telefon war Wolfgang Stich von der "Klause". Die Woche zuvor hatte ich dort die Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeiterin abgeschlossen und mich in einem Selbsterfahrungswochenende und 10 Gruppenabenden darauf vorbereitet, Menschen in schwierigen Lebenssituationen und Krisen zu begleiten. Und jetzt war es tatsächlich soweit. Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf: 'Werde ich das schaffen?', 'Was wird mich wohl erwarten?', 'Hoffentlich mache ich nichts verkehrt?', 'Ob der Erstkontakt auch so klappt, wie wir das im Rollenspiel geübt haben?'...

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