Laufen mit Depressionen - Laufen gegen Depressionen

Zahlreiche Studien belegen, dass Sport zum psychischen Wohlbefinden beiträgt. Die Wirksamkeit vor allem von Ausdauersport bei der Behandlung von Depressionen ist belegt. Auch bei Angststörungen, Burnout und anderen psychosomatischen Beschwerden soll sich das Laufen als ausgesprochen hilfreich erwiesen haben. In immer mehr Städten in Deutschland wird deshalb das langsame Laufen unter fachkundiger Anleitung (Lauftherapie) zur Depressionsbehandlung angeboten.

Über die Wirkfaktoren gibt es unterschiedliche Meinungen. So gilt landläufig die Ausschüttung von Endorphinen und von Dopamin – den sogenannten Glückshormonen – als Verursacher des neuen Wohlbefindens. Das dürfte aber bei Laufanfängern, die (noch) kurze Strecken zurück legen, nicht der Fall sein.

Einen bemerkenswerten Aspekt beleuchen die Untersuchungen von Bente Klarlund Pedersen vom Reichshospital Kopenhagen. Sie hat entdeckt, dass die Skelettmuskulatur in Bewegung rund 400 hormonähnliche Botenstoffe aussendet, die sogenannten Myokine  (aus dem griechischen „Mys“: Muskel und „kinos“: Bewegung). Die Myokine wirken auch auf das Zentralnervensystem. Bisher sind Wirkungen auf Typ-II-Diabetes, das Herzkreislaufsystem, den Stoffwechsel, das Gehirn anhand des Wachstumsfaktors BDNF und die Dehnbarkeit von Gefäßen bekannt. Und jetzt wird es spannend: Das BDNF (Brain Derived Neurotropic Factor), ein Protein, das nicht nur im Muskel, sondern auch im Gehirn gebildet wird, regt den Aufbau neuer Nervenzellen und Synapsenverbindungen im Gehirn an. Menschen mit Depressionen und Alzheimer haben einen geringeren BDNF-Gehalt im Blut. Die Ärzte beginnen auf diese neuen Erkenntnisse zu reagieren. Rund ein Viertel der englischen Mediziner stellt depressiven Patienten bereits Sportrezepte aus. Und laut neuesten amerikanischen Forschungen senkt schon dreimal die Woche 15 Minuten Spazierengehen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken um 30 bis 40 Prozent. (Quelle: Sendung „Bizeps, Trizeps & Co.“ aus der Serie hitec vom 11. April 2011 auf 3sat).

Darüber hinaus spielen aber auch psychosoziale Faktoren eine Rolle bei der Wirksamkeit des Laufes. Vor allem das Gruppenerleben so wie die Erfahrung, etwas zu leisten, was man zuvor für unmöglich gehalten halten, stärken das Selbstwertgefühl. Dazu kommen häufig positive Rückmeldungen aus dem sozialen Umfeld und eine gesteigerte Fitness, was alles zusammen zu einem positiveren Selbstbild führt.